Dein Glückskeks sagt: You have an unusual magnetic personality. Don't walk too close to metal objects which are not fastened down.

Mikrokosmos Uni

Da steht man nun auf dem Campus, ist Mitglied einer Universität, einer jener sagenumwobenen Institutionen, die seit Jahrhunderten hehrer Hort von Wissenschaft, Bildung und Kunst sind. Ist Student, eines dieser sagenumwobenen Wesen, die anno 1968 die Straßen unsicher machten und seitdem nur noch als langhaarige Bombenleger die Steuergelder der arbeitenden Bevölkerung verprassen.

Neben allgemeinen Sinnfragen (was esse ich heute , warum esse ich überhaupt, wo gibt's die besten Wiener Schnitzel?) stellt sich dem Interessierten schnell die Frage, wer diesen Mikrokosmos denn wohl regiere? Das Land Rheinland--Pfalz --- immerhin sind Universitäten Ländersache --- ist eine plausible Antwort. Der Universitätspräsident (er heißt übrigens Prof. Dr. Roman Heiligenthal) ist eine andere. Die Wahrheit allerdings ist viel komplizierter, so kompliziert, daß manche Studierende sich nie die Mühe machen, sie überhaupt zu durchschauen. Für alle Unverzagten jedoch soll dieser Artikel eine erste Orientierungshilfe sein.

Als Studierender der Universität Koblenz ist man Mitglied in zwei voneinander weitgehend unabhängigen Organisationen: der Universität (als solcher) und der Studierendenschaft. Jetzt mag man meinen, diese Unterscheidung sei doch überflüssig. Was macht denn das Studierenden--Sein anderes aus, als an der Uni zu sein und zu lernen? Nun, zu studieren ist mehr als in Vorlesungen und Seminaren zu sitzen, Scheine zu machen, und ein Diplom (bzw. ein Examen) zu erlangen. Zu studieren heißt auch, sich zu engagieren, mit Kommilitonen gesamtgesellschaftliche Probleme zu diskutieren, kulturelle Veranstaltungen zu organisieren, gemeinsam Sport zu treiben und gemeinsam kräftig zu feiern.

Um all diese vielfältigen Aufgaben zu meistern, hat sich die Studierendenschaft eine Art Selbstregierung gegeben, den Allgemeinen Studierendenausschuß, kurz AStA.

Der AStA ist vergleichbar mit einer Regierung mit Kanzler (er heißt AStA--Vorsitzender) und Ministern (sie heißen AStA-Referenten) für verschiedene Aufgabenbereiche (Intern, Extern, Presse, Finanzen, Kultur, Sport, Soziales, Umwelt, Ausländer, Antifa, Sommer-Uni, Frauen etc.). Weil viele dieser Referenten ihre Aufgaben nicht allein bewältigen können (und wollen), gibt es zu diesen Referaten Arbeitskreise (AKs), also einen Umwelt-AK, einen Kultur-AK, eine Sommer-Uni-AK usw. Dort arbeiten Studierende mit, die zwar nicht die volle Last eines Referates auf ihre Schultern bürden wollen, die aber trotzdem Spaß an der Sache haben und sich ca. einmal die Woche in ihrem AK treffen und mitarbeiten. Einen Regierungssitz hat der AStA übrigens auch: Es ist das Gebäude C im 2. Stock.

Jede Regierung, also auch der AStA, muß sich demokratisch legitimieren (wird vom Autor mal vorausgesetzt). Und wer könnte das besser tun, als ein vom Volk gewähltes Parlament, das den AStA einsetzt und den AStA--Haushalt kontrolliert. Ja, solch ein Parlament hat die Studierendenschaft auch, es heißt Studierendenparlament (kurz StuPa). Es wird einmal im Jahr von allen Studierenden in freier, gleicher, geheimer und direkter Wahl gewählt. Das StuPa tagt bei Bedarf, in der Regel während der Vorlesungszeit alle zwei Wochen öffentlich unter Angabe der Tagesordnung. Es hat einen Präsidenten und zwei Vizepräsidenten und pro Hundert Studierende je einen Parlamentarier (also z.Z. 32).Der Präsident des StuPa leitet außerdem die Vollversammlungen aller Studierenden, eine Veranstaltung, für die es (außer in der Schweiz und bei den alten Griechen) leider keinen Vergleich gibt. Mindestens einmal im Semester treffen sich alle Studierende (oder zumindest fast alle !?!) im großen Hörsaal und diskutieren aktuelle Probleme.

Der AStA behandelt jedoch --- da er ja Vertretung aller Studierenden ist --- naturgemäß hauptsächlich Probleme, die alle Studierenden angehen. Damit aber auch fachspezifische Probleme von studentischer Seite aus angegangen werden, finden sich die Studierenden eines Faches in sog. Fachschaften zusammen. Die Fachschaften wählen in Urwahl (also auf einer Fachschafts--Vollversammlung) einen oder mehrere Fachschaftsvertreter, die dann die Studierenden ihres Faches nach außen hin (also hauptsächlich gegenüber der Universität) vertreten. Manchmal wird der Begriff Fachschaft auch auf die Fachschaftsvertreter angewandt; nicht verwirren lassen.

Damit der Kontakt der Fachschaftsvertreter zum AStA nicht abreißt, treffen sich alle Fachschaftsvertreter ein- oder mehrmals im Semester im Fachschaftenrat. Dieser Fachschaftenrat wird vom Internreferenten (also vom Innenminister des AStA) geleitet, der seinerseits wiederum dem AStA berichtet, was im Fachschaftenrat alles diskutiert wurde.

So, bis hierhin war's schon mal reichlich kompliziert. Es wird aber noch ein bißchen komplizierter. Nicht nur die Studierendenschaft, sondern auch die Universität als Ganzes wird ähnlich kompliziert regiert. Wie vielleicht bekannt ist, heißt unsere Universität offiziell Universität Koblenz-Landau, Abteilung Koblenz. Das läßt darauf schließen, daß es auch eine Abteilung Landau gibt. Jede Abteilung wird von je einem Vizepräsidenten geleitet (unserer heißt Prof. Dr. Wolf-Andreas Liebert) und gemeinsam haben beide Abteilungen einen Präsidenten (den oben bereits erwähnten Prof. Dr. Roman Heiligenthal). Er residiert zusammen mit seinem Kanzler (dieser Posten heißt tatsächlich so und bezeichnet den Leiter der Universitätsverwaltung) und der Universitätsverwaltung im Präsidialamt in Mainz. Schließlich muß er die Belange der Universität ja auch gegenüber dem Wissenschaftsminister vertreten.

Der Präsident und die Vizepräsidenten werden von einem ansonsten unwichtigen Gremium namens Versammlung gewählt. Alle anderen Entscheidungen (z.B. die Mittelverteilung und die Einstellung neuer Professoren) regelt ein Gremium namens Senat. Der Senat ist also das wichtigste Gremium innerhalb der Universität. Es gibt übrigens nur einen Senat für die ganze Universität, er besteht aus den Präsidenten, 8 Professoren, 2 akademischen Mitarbeitern und 2 Studierenden. Diese zwei Studierenden werden für je ein Jahr von der Studierendenschaft gewählt. Damit nicht alle Uni--Mitglieder allen jeweils anderen in ihren Kram reinreden, teilt sich die Universität in acht Fachbereiche. Diese Teilung erfolgt nach räumlichen (Koblenz vs. Landau) und wissenschaftlichen Kriterien.

Die Koblenzer Fachbereiche sind:

  • FB1: Erziehungswissenschaftlicher Fachbereich,
  • FB2: Fachbereich Philologie,
  • FB3: naturwissenschaftlicher Fachbereich,
  • FB4: Fachbereich Informatik.

Grundsätzlich ist jedes Mitglied der Universität auch Mitglied in einem Fachbereich. Wer also zwei Hauptfächer aus zwei Fachbereichen studiert (also z.B. Grundschulpädagogik und Deutsch), wird bei der Immatrikulation gefragt, welchem Fachbereich er angehören will. Der Fachbereich wird von einem Dekan geleitet, die Entscheidungen trifft der sogenannte Fachbereichsrat. Darin sitzen 9 Profs, 3 akademische Mitarbeiter und 3 Studierende. Die Studierenden werden ebenfalls für je ein Jahr von der Studierendenschaft gewählt. Die Wahlen zum Fachbereichsrat, zur Versammlung und zum Senatsind aber nicht identisch mit den Wahlen zum StuPa und zu den Fachschaften.

Im Prinzip darf also jeder Studierende zweimal (oder dreimal, je nach Fachschaft) im Jahr wählen gehen. Und sollte es gefälligst auch tun, schließlich legitimieren sich demokratisch gewählte Vertreter ja aus Wahlen und nicht aufgrund von Selbsternennung.

Hat noch jemand den Überblick? Wenn nicht, tröstet Euch, auch der Autor hat zwei bis drei Semester benötigt, um alles zu verstehen. Und dabei ist noch lange nicht alles an Gremien und Entscheidungsfindungs-- (oder --verhinderungs--)--Grüppchen aufgezählt worden, das eine Uni zu bieten hat.

Was jedoch allen Gremien gemein ist, ist die Tatsache, daß sie von der Mitarbeit der Studierenden abhängig sind. Sich zu informieren und zu wählen ist die Mindestanforderung, die man an gebildete, demokratisch gesinnte Menschen stellen sollte. Die etwas weniger Trägen raffen sich sogar auf und arbeiten in den verschiedensten Gremien mit. Man fängt ganz klein an, etwa als Juniormitglied in einer Fachschaftsvertretung oder in einem AK und --- schwupp --- ehe man sich's versieht, ist man StuPa--Parlamentarier oder Senatorin.

Und hat eine Menge Spaß dabei!

Christoph Wick

Letzte Änderung 23. Oktober 2006 - Text bearbeiten